David Luther Interview

David Luther – ein Name, der wohl jedem in der Skateboardszene ein Begriff ist.
Sei es aufgrund der etlichen Contests, die er schon moderiert hat, oder wegen den vielen Texten die er Tagtäglich verfasst, sowohl im Internet als auch in diversen Magazinen und nicht zuletzt aufgrund seiner Tätigkeit als Chefredakteur der  der "KINGPIN". Wahrscheinlich der einzige, der wirklich alle deutschen und auch etliche europäischen Skater, die jemals auf einem Contest waren oder in einem Magazin abgebildet wurden,  sofort beim Namen kennt.

Obendrein würde David wohl bei jeder "SkateboardQuizshow" wenn es sie denn gäbe , abräumen.
Da ist es wohl mal an der Zeit diesem umtriebigen Herren und Kenner der Szene
mal ein paar Fragen zu stellen …und da der Mann auch fleissig am Fotos machen ist haben wir ihn gebeten uns ein paar seiner Fotos dazwischen zu streuen

Inteview: Q  Pic´s: David Luther


David Luther Pic: Hannes Pilz

 

Q:
Hallo David !

D:

Moin Q.!

Q:
Wie geht`s denn so, was machen die Stimmbänder!

D:

Die verfluchen mich fürs Rauchen.

Q:
Wie lange moderierst du eigentlich schon Events und wie kam es dazu? Was war bisher das Diggste? Schon mal an Rappen gedacht? 🙂

D:
Das dürften jetzt knapp 14 Jahre sein… Ich werde versuchen, es kurz zu machen:

Contest MC war irgendwie immer der Arschlochposten, als es mit den ersten COS Cups (damals – 1994 – noch INC) los ging. Entweder stand da jemand ohne Ahnung und Lust, oder eine übermotivierte, kreischende Nervensäge. Ich war damals noch Schüler und als Filmer und Schreiberling fürs MSM auf diversen Contests und hatte da sonst nix zu tun. Skaten fiel aus – ich habe noch nie den Drang dazu verspürt, mich auf engstem Raum mit 80 Wahnsinnigen um fünf Rampen zu prügeln. Als Nerd hatte ich Plan von den Tricks und Fahrern und ich habe mir wohl eingebildet, das besser zu können. So hat sich das dann nach und nach etabliert. Das Diggste… Das ist schwer.

Ice Cube

Der eine Mastership in Dortmund, den ich mit-moderieren durfte, das war beeindruckend. Das freestyle.ch muss ich erwähnen, denn da stehen einfach mal eben Zwanzigtausend Menschen vor der Rampe, das geht live ins Fernsehen, hat also einen sekundengenauen Zeitplan nach dem gegangen werden muss und ist einfach aufregend, jedes Jahr wieder. Das größte Publikum gabs wohl auf freecaster.tv, beim adidas Clash.

Das aktuelle Skateboardsportstudio, haha! Das hat Spaß gemacht, da möchte ich mal hin. Ein wöchentliches Sportstudio wie das. Bisschen schicker vielleicht. Das Team dafür weiß ich schon, aber jemand muss es bezahlen und jemand muss es senden – so etwas wöchentlich auf die Beine zu stellen ist viel Arbeit.

Kool Savas

Q:

Schon mal selbst ans Rappen gedacht ?

D:

Rappen? Dran gedacht oft, aber wenn man eh den ganzen Tag schreibt, fehlt es an der Motivation, sich auch noch Reime aus den Fingern zu saugen – und normale Texte schreiben ist echt schlimm genug. Hobbyrapper bin ich aber schon ewig, weissu auch.

Check "Bitches Vor Meim Haus", den habe ich mit meinem Mitbewohner Laas Unltd. gemacht. Gibts zum Download unter myspace.com/laasunltd. … Ein Glück könnte ich damit nie Geld verdienen, also komme ich auch nicht in Versuchung, das nächste Hobby zum Beruf zu machen. Oh, der Track ist ungemastered und deshalb in Sachen Bass leider schwach auf der Brust.

(hier der direkte  Download: http://laasunltd.de/downloads/Bitches_Vor_Meim_Haus_feat_Luxus_Luther.mp3 )

Wer zu viel Zeit und Spaß am Basteln hat, darf sich da gerne an einem Remix versuchen. Accappella gibts bei mir. dynaluther@gmail.com



Q:

Du warst doch lange beim Monster Magazin in Münster, bist dann nach Hamburg gezogen und Chefredakteur bei der deutschen Kingpinausgabe.
Was reizt an Print und wie beurteilst du die deutsche/europäische SkateMedienLandschaft so ?

D:
Was reizt an Print? Wahrscheinlich, dass man damit etwas in der Hand hat, was man rumzeigen kann. Aber die Frage hat sich mir bei den Mags nie wirklich gestellt, ich habe einfach schon immer viel geschrieben, wenn jemand gesagt hat: "Schreib‘!" (Am Besten mit Themenvorgabe, ich bin ein bisschen faul.) Als ich Ende der 80er anfing zu Skaten wurde das Monster Magazin schnell zu meiner Bibel; die hatten die coolsten Texte und schwer beeindruckende Fotos, insofern lag der größte Reiz für mich nicht im Print, sondern darin, überhaupt an diesem unfassbar geilen Heft mitarbeiten zu können. Bei Kingpin war es dasselbe. Als Anfang 2006 das Angebot für die deutschsprachige Redaktion kam, wollte Niall mir eine Woche Bedenkzeit geben – die habe ich nicht gebraucht. Und die Medienlandschaft… Ganz ehrlich: Sie interessiert mich immer weniger. Zum einen, weil der Markt einfach kein Spaß ist und zum anderen, weil ich für SG.de gute zweieinhalb Jahre damit verbracht habe, mir auf der Jagd nach News die Augen rot zu lesen – da ist man irgendwann drüber weg, und dann muss was Neues kommen. Und darauf habe ich gerade Bock. Ich liebe den Job bei Kingpin, aber ich habe noch Kapazitäten frei und auch ein paar Ideen. Ungleich einer Website auf Blogbasis leider alles eine Frage des Geldes.

Michael von Fintel_Kickflip

Just Blaze

Q:
Ab wann warst du eigentlich beim Monstermag, hast du Claus Grabke noch mitgekriegt?

D:
Nein, Jens Schnabel hat mich damals an Bord genommen. Cheers!

Q:
Die Frage ist alt, aber irgendwie immer interessant – in wie weit hat sich die "Skateszene"  über die letzten 10 – 15 Jahre verändert? Auch im Hinblick auf das Internet?

D:
Es geht alles ein bisschen schneller, woll? Das Internet hat viel verändert, aber die Skateszene an sich ist immer noch ein bunt zusammengewürfelter Haufen (böse Zungen sagen Wannabe-)Individualisten, von denen jeder irgendwie seine eigene damit verbundene Philosophie mitbringt – manche davon etwas weitsichtiger, manche doof. Schneller "neue" Tricks, schneller beendete Karrieren, mehr Druck auf den "Speerspitzen", all das hat sich verändert. Die Hosen sind wieder enger und die Rollen wieder größer geworden, sonst hat es sich in den letzten zehn Jahren eher wenig verändert.


Fiebelkorn_FsFeeble

Q:
Du bist ja auch Vorstandsmitglied beim 1. Hamburger SkateboardVerein – wie läuft es da denn so?

D:
Aller Anfang ist schwer, heißt es ja so schön. Aber das ist eine gute Sache, Graham kniet sich da gut rein und ich würde sagen, es läuft ganz gut an. Die relevanten Kontakte sind da (überall, übrigens, man muss sie nur vernünftig angehen), es wird mit diesen Kontakten über viel geredet – und das auch durchaus vielversprechend. Anders als mit einem halbwegs organisierten Verein kann man Städten u.Ä. eigentlich nicht beikommen.

Q:
Man sieht ja auch oft echt gute Fotos, die von dir sind, sowohl Skateboarding, als auch Nonskateboarding;  dabei auch eine Menge Promis –  dein Privatarchiv dürfte ja recht ordentlich sein – Wann hast du gemerkt, dass Fotografieren "schockt"?

Pat Lindenberger_Kickflip

D:
Als ich mit drei oder vier Jahren zum ersten Mal relativ bewusst der SLR Minolta und den Objektiven meines Vaters begegnet bin. Die Haptik wars. Das Transportieren des Films, das satte "Klack" beim Auslösen – die Technik. Mit sechs gab es den ersten, eigenen Billoknipser, dann waren es ewig Schnappschüsse und die Kurve zum semiprofessionellen Gehabe kam schließlich irgendwann mit Skateboarding.

Thomas Gentsch_No Compole

Q:
Wie sieht den der Alltag eines Chefredakteurs so aus?

 

D:
Eat, sleep, fuck, go fishing. Das wär’s. Schön wär’s. Nein, das ist ganz unterschiedlich. Den größten Teil dieser Sparte nimmt wahrscheinlich die Übersetzung des Magazins in Anspruch (Hallo Ralf, danke für die Hilfe!), aber es gibt einfach Tage, die sind voll bis zum Rand und andere, da weiß ich nicht wohin mit mir. Manchmal ist nix zu tun zu haben stressiger als ein Arsch voll Arbeit.

Q:
Macht schreiben bzw. bloggen süchtig?

D:
Nein. Schreiben ist doch die Pest. Bloggt noch jemand?

Q:
Wie bekommt man einen Fuss in die Magazinwelttür; fängt alles mit einem Leserbrief an, oder kommt das mit Glück und Beziehungen zustande?

 

D:
Du weißt von… Oh, DER Brief. Hilfe. Ja, das ist eine prima Idee. Schreib‘ nervige Leserbriefe (und nimm an jeder Verlosung teil) und beleidige den Chefredakteur so, dass er sich dazu veranlasst fühlt, dich anzurufen und ein persönliches Treffen zwecks "Diskussion" anzubieten. Lass dann etwas Zeit ins Land, fahr‘ auf einen Outdoorcontest und wenn du Glück hast, regnet es. Klingt komisch, hat für mich aber funktioniert. War…wohl Glück. Glück, dass Jens mich nicht einfach aufgelöst hat, als ich mich ihm gegenüber identifizierte. Darüber hinaus einfach richtige Zeit am richtigen Ort. Auch Glück. Vorbereitung trifft Gelegenheit.


Tjark Tielker_Orange Wallride

Q:
Wer kam eigentlich auf die Idee, ein Europäisches Magazin zu starten?

D:
Die Idee hatten sicherlich viele. Niall hat’s gemacht, und da hat es auch geklappt.

Q:
Bekommt ihr auch SponsorMe Tapes von Leuten, die für die Kingpin fahren wollen?

 

D:
Also, ich kriege keine. Ich kriege hin und wieder mal Sponsor Me Sachen für SG.de, zur Verbreitung. Ob solche Sachen in London ankommen weiß ich nicht, könnte ich mir aber vorstellen. Ein paar Schmerzfreie gibt es ja immer.

Q:
Wie geht nochmal die Rechnung auf dem Taschenrechner, bei der am Schluss

"BEI BOLLE" rauskommt ?

D:

Du kaufst mit einem Kollegen (also 2x) 18 Kästen Bier mit 85 Flaschen für 40 Euro und 69 Cents (Scheißdeal, aber egal). Und wo kaufst du das…?

Deinen Taschenrechner habe ich dir aber geschickt? Ja, habe ich.

Shane Cross_Ollie

Q:
Aktuelle Projekte ?

D:
Staying alive. Also, nicht die MTV Geschichte, mehr so allgemein. Und über ungelegte Eier soll man ja nicht quatschen. 🙂

Q:
Bei dem Ben Wes Song Sprichst du ja auch die Ansage, wer hatte denn da die Idee dazu?

D:
Zur Ansage, oder dem Song? Beides weiß ich nicht mehr so richtig. Da stand ein COS Cup in Hamburg ins Haus und irgendwer hat gesagt: "Lass mal ’nen Song für Ben machen." Daraus wurde Ben Wes y’all/yes, yes, y’all! Auch so ein Fall von alle zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das war cool. Hat Sheckler so was? Dyrdek? Kannst du dir ein Duncan Intro von T.I. vorstellen?
 

Q:
Stimmt das, dass du das Buch "8 Mile" ins deutsche übersetzt hast? Und mit Tony Hawk gab´s doch auch ein Projekt?

D:
Ich habe von Tony Hawk "Occupation: Skateboarder" (Biografie) und "Between Boardslides and Burnout" (Tourtagebuch) ins Deutsche übersetzt – kann man noch kaufen! Für "8 mile" habe ich als "Slang-Experte" an den deutschen Untertiteln der Battles mitgearbeitet, unter der Regie von Oliver Rohrbeck (aka Justus Jonas von den ???).  Das war sehr interessant. Ich habe die deutsche Stimme von Yoda getroffen. Und ich konnte den Film drei Tage vor dem US-Kinostart im Original sehen, auf amtlicher Leinwand im Tonstudio – ich bin großer Fan von Eminem, das war also das Allergrößte. Beides Sachen, die ich gerne mal wieder machen würde, aber so etwas läuft einem leider nicht jeden Tag über den Weg.


Saigon

Q:
Gib mal ein paar Shoutz und ein paar heisse Tips für unsere Leser!

D:
Shoutz: Family & Friends, Kingpin Crew, COS Crew & Fahrers, ESC Crew, SG Crew, echte Leser, Juice Crew, Hobbyrapper Crew, Crew Crew, Huhu, Haha, die Bitches vor meim Haus, Die Untalentierten – alle meine Leude, ihr wisst, wer ihr seid! Heisse Tipps? "Kauf‘ dir mal’n paar neue Platten und hör‘ richtig hin du Pfeife!" Derzeit nur Laas Unltd. – Album "2.0 Action Rap" kommt Ende Januar ’09 und ist meine lauteste Kaufempfehlung, weil sehr gute Musik.

Q:
Danke für das Interview und bis bald mal wieder.

D:
Gerne, ich habe zu danken. Lasst’s euch gut gehen!

 

AliAs
 

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