Die Geschichte des Talers

Elus Elus #29396

Die Geschichte des Talers
Es war einmal ein Taler der lebte in einer Tasche. In der Tasche von Karl Bähmer. Eines Abends schlief Karl ein und einher rollte der Taler seine Wege, erst aus dem Fenster, dann zum Wind und schliesslich auf eine seitliche Straße fast an den Rand eines Gullis, dort blieb er erst einmal liegen. Erschöpft. Die obere Seite war geprägt, ettliche Rillen und eine große fette Zahl. Mittlerweile war sie fast schon etwas verschmutzt und vergilbt und in den Rillen sammelte sich ritzenartiges Gelage. Auch ein leichter Regenguss spülte nicht alle Ablagerungen davon. Und in der Nacht war ein leichtes gefrieren unumgänglich. Dennoch Münze Karl war resistent. Und hatte sich einige Jahre in der Tasche quasi beheizt. Am nächsten Morgen kamen einige Menschen entlang die einfach nur da standen und schauten. Einige schüttelten den Kopf, andere spuckten und wieder andere glitten mit ihren Beinen unsanft auf der Münze herum so als verabscheuten sie diese Kleinigkeit im Gepäck ihrer üppigen Habseligkeiten. Einmal blieb ein Herr stehen bückte sich und griff die Münze, schaute ganz nah und schmiess Münze Karl schliesslich von sich. Er flog auf und ein stück seines Randes riess förmlich ab und ehe er sich auf die Rückseite drehte, umkreiste er einige Male sein Zentrum. Da lag er nun, inmitten dieser undefinierbaren Prägung. Fast wie auf einmal blieben die Menschen stehen und griffen immer wieder nach Münze Karl. Obwohl er der alte war. Er wurde genommen poliert und eingesteckt, unzählige Male. Angehaucht, berührt und festgehalten. Unzählige Male. Nur all dass war nie wieder dassselbe. Münze Karl wollte Heim. Nix davon war wie früher, nix davon wie vorher. Ihm fehlte seine Tasche. Seine Heimat. Gut eingepackt, rollte er sich nachts durch die Gänge der Wohnung des letzten Finders. Und rauschte auf die Straße wo er sich von einem Auto mitnehmen lies, legte sich auf die Prägung des Kennzeichens und fuhr mit. Er fand heim. Was ein Wunder. In all der Zeit war die Jacke mittlerweile nicht mehr existent. Karl Bähmer gab es noch. Was ein Wunder. Obwohl er fast nix mehr sah, merkte er was zu ihm kam. Er sprach kein Wort, legte die Münze nah zu sich. Und genoss dass froh sein.