Interview : Christoper Graham vom Hamburger Skateboardverein

Jetzt im Fastwinter, wo wo sich die ersten nur noch mit Handschuhen zum Rollen vor die Tür trauen und so manch heiß gebrühte Idee aus dem Sommer in Ruhe überdacht werden kann, denkt sicherlich der eine oder andere auch mal über eine Vereinsgründung nach…

Skateboard Vereine existieren mittlerweile auch nicht  wenige – und in den Kinderschuhen stecken auch nicht mehr alle – Der Kölner "Northbrigade e.V." etwa feiert sein 20jähriges Bestehen…

Da dachten wir uns, fragen wir mal bei Skateboard e.V., dem Hamburger Skateverein nach,  wie das denn so läuft in einem Verein dieser Art und was man beachten sollte, wenn man einen Verein gründen will, vor allem aber, warum man das überhaupt tun sollte usw.

Dazu haben wir Cristopher Graham von Skateboard e.V. , befragt:

 

 


 

Moin Graham, hallo erstma!

Wie kam es zum Hamburger Skateboard Verein und wie wird man Vorsitzender?

Uns sind die in Hamburg typischen Retortenskatespots aus Fertigelementen und die Planlosigkeit der öffentlichen Bauherren auf den Sack gegangen. Weiter haben wir festgestellt, dass viel zu viele Gelder in Hamburg für „Bank-Box-Quarter-Kombos“ verschwendet wurden, die letztendlich keinen interessieren und nicht genutzt werden.
Die Optimierung von Skatespots zieht allerdings noch einen viel größeren Rattenschwanz hinter sich her … wenn Skatespots optimiert sind, belebt das die Szene … eine lebendige Szene belebt die verblichenen Spots … belebte Spots ermutigen die Kids, ernsthaft anzufangen oder besser zu werden bzw. beim Skaten zu bleiben!
Zusätzlich wurde das Skaten gar nicht, oder nur rudimentär von Pädagogen repräsentiert, die selbst nicht rollen gehen.

Ein Vereinsvorsitzender (was für eine schreckliche Bezeichnung – hab mich immer noch nicht daran gewöhnt) …naja, zum Vorsitzenden gewählt wird man, wenn die anderen der Meinung sind, dass man den Spagat zwischen Skateboarding und dem politischen Kasperletheater meistern
kann.

Das war dann ich! Es macht mir aber Spaß. Besonders amüsant sind die Gesichter, wenn man als End20er geschniegelt vor einem Ausschuss steht und sagt: “Ja – ich bin aktiver Skateboardfahrer“.


 Kann man leichter mit der jeweiligen Stadt verhandeln, z.B. in Sachen  
Skateparks ?

Eindeutig „JA!“
Erstens greift man als Verein auf eine ganze Reihe von Skatern zurück. Wir stehen also auf einer breiten Basis und können so die Interessen effektiver bündeln.
Zweitens wird man, kann man eine Kompetenz durch z.B. vorhandene Strukturen vorweisen, schneller ernst genommen! Verbesserungsvorschläge und Anregungen können hier viel besser durchgesetzt werden.

Was bringt so ein Verein denn noch so an Vorteilen mit sich?
Kann man sich auch mal von der Stadt schön ne ganze Straße sperren  
lassen für ´nen Downhill oder sowas?

Jo, auch das ist möglich (Ahoi e.V. aus Kiel z.B.). Hier in Hamburg gibt es sogar einen jährlich stattfindenden Downhill „das Bergabfahrttreffen“, für den ein Teil der Harburger Berge von der Polizei gesperrt wird!

Dazu muss man aber kein Verein sein … das ist auch so möglich!

Wie kann man einen Skateboard Verein gründen?
Kostet das was und was muss man dabei bedenken?

Theoretisch ist das ganz einfach – man organisiert eine Gründungsversammlung mit mindestens sieben Leuten, gibt die beschlossene Satzung einem Notar und lässt sich von diesem im Vereinsregister eintragen. Praktisch ist das leider nicht ganz so einfach. Im Optimalfall sollte man die Satzung selbst verfassen, die Gemeinnützigkeit vom Finanzamt schon im voraus feststellen lassen und dem Notar sonst noch alles recht machen.Das bedeutet echt ne Menge nerviger Arbeit!

Kosten für den Notar und dem Amtsgericht fallen an – das sind je nach Bundesland um die 150 Euro.


Kann man auch Fördergelder bekommen?

Ja, das kann man. Hier in Hamburg ist das aber sehr schwer, da es eine Vielzahl anderer Vereine mit divergierenden Interessen gibt. Ohne Vitamin B geht da nicht viel.


Sind viele der Hamburger Skater bei euch Vereinsmitglied?

Viel ist relativ… Der Harte Kern besteht aus der Creme del a Creme des Hamburger Skateboardings wie z.B. David Luther, Patrik Eling, Karl Knoop, Max Prause, Nils Hamann und vielen mehr.

Konntet ihr schon mal einen Spot legalisieren?

Ums Legalisieren geht es ja eigentlich nicht, eher um das Durchsetzen einer bedingungslosen Duldung! „Lol“ Das Skaten selbst ist für die meisten Passanten OK. Die Sachbeschädigung, die durch das Grinden und Sliden an den urbanen Spots entsteht und die mit dem Rollen unvermeidlich einhergehende Ruhestörung sind die eigentlichen Gründe für die schlechte Akzeptanz, auf die Skater immer wieder stoßen.

 


Auf der Rollschuhbahn in Planten und Bloomen wird Skateboard Fahren Bedingungslos geduldet !

Lieblingsspot in Hamburg?

Die Berufsschule Wilhelmsburg – hier gibt es meterlange Quarters, die ursprünglich hübsch designte Blumenkübel sein sollten.Ich finde es geil, wenn urbane Architektur und Skateelemente verschmelzen!
Egal, ob absichtlich oder aus Versehen.

Danke für das interview !

Wer mehr Infos braucht, um z.B. selber einen Verein zu gründen oder im Umkreis von
Hamburg ein Problem mit den Öffentlichen hat, der erreicht Skateboard e.V. unter:
 

www.skateboardev.de  
www.myspace.com/skateboardverein_hamburg
E-Mail:

info@skateboardev.de
 

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