Interview : Matt Grabowski

Wenn man vom Poolskating im deutschen Skateboarding spricht, dann dürfte wohl spätestens im zweiten Atemzug der Name Matt Grabowski fallen…
Matt ist dafür bekannt einen Hang zu hartem Transitionskating zu haben, speziell Pools…und da es davon hierzulande ja bis dato nicht viele gibt bzw. gab, muss oder musste man bisher wohl in die Staaten Fliegen um so ein Ding zu Skaten…
oder man baut sie gleich selbst, wofür sich Matt dann wohl entschieden hat, wenn das jetzt vielleicht auch überspitzt klingt dann ist es doch irgendwie so und weil uns das mit dem Poolbauen usw. auch interessiert – haben wir bei  Matt mal nachgefragt, was er denn so treibt:


Matt Grabowski von  www.minus-ramps.com

Q: 

Hi Matt ! Wie   gehts ?

Matt:
Alles gut, bin gerade aufgewacht, es ist 20 Uhr Abends und morgen ist
Sonntag. Meine Unterarme sind verkatert, alles prächtig.

Q:

Wo bist du gerade unterwegs und was baust du da ?

Matt:
Wir sind seit einigen Wochen in Österreich und bauen hier den
"Big Foot" Pool.
Dieser Pool ist ziemlich nahe an einen Backardpool angelegt und sieht halt von oben aus wie eine Tatze des Bigfoot´s aus. Ein Deepend 7,5 Foot und drei Shallowend Pockets 5 Foot. Poolcoping gekoppelt mit Metalcoping, Stufen drin. Ich denke man wird einen Höllenspeed in dem Ding bekommen. Mal sehen. Brauchen noch zwei Wochen und dann werden wir es sehen.


Bigfootpool in Austria, Linz / pic: Minus ramps

-BigFootPoolCrew: Ben, Bruno, Mike, Pudi und Nils. Not pictured: Jörg / pic:
MinusRamps

Q:

Wie lange baust du schon Rampen, sowohl Holz aber auch Beton und wie kamst du dazu ?

Matt:
Phu, wie lange ich baue…Ich denke seit ca. 1997. Bin um diese Zeit rum direkt nach meiner Schulzeit in dieses Handwerk reingerutscht.
Die ersten Jahre habe ich bei der "Fun Company" wohl der ältesten Rampenbau Firma Deutschlands gearbeitet. Über die Jahre hinweg hatten Sie alles an Materie verarbeitet was nur geht.
Von Holzkonstruktionen, über Stahlunterkonstruktionen bis zu den verschiedensten Endfahrbelägen, wie Holz, Aluminium, Kunststoff, Stahl und sogar VA.
Es war ne gute Zeit. Ca. 2000 tauchte dann die Idee mit "Minus" auf und es war an der Zeit Selbständig seinen Weg zu gehen.
Es ist schon immer seit Jahren mein größter Wunsch gewesen aus Beton Rampen zu bauen. Ich beschäftige mich damit schon seit einigen Jahren in der Theorie, jedoch hatte sich eine längere Zeit kein geeigneter Zeitpunkt zum richtigen Projekt ergeben.
Ich war vor einigen Jahren halt noch nicht so weit, es fehlten noch Informationen und die Selbstsicherheit um es passieren zu lassen. Ich habe viele Meilen bereist um den Know How zu erlangen und mich mit dem richtigem Werkzeug zu versorgen usw. Betonpools und Parks sind die Königsdisziplin des Rampenbaus. Du brauchst alle Skills die du vorher gelernt hast. ..Mit dem richtigen Team wird das Endprodukt dann die perfekteste Rampe die man sich nur vorstellen kann.

Q:

Du bist ja oft auch in den USA unterwegs, vielleicht weisst du die Antwort, auf die Frage:
Warum sind deutsche/europäische Schwimmbäder eckig und amerikanische rund ?

Matt:
Ha, die us Pools sind aus Statischen Gründen rund denke ich. Als weiteres hast du durch die Transitions weniger Volumen im Pool und somit verbrauchst du weniger Wasser. Ja und in Deutschland ist da wohl wieder irgend eine Norm für die Eckigkeit verantwortlich. Einem war langweilig und einen Tag später war dies genormt und danach wurde dann Jahrzehnte gebaut. Normen sind dazu da um durchbrochen und geändert zu werden.
Ich denke es wird noch dauern den deutschen Behörden zu erklären daß wenn sie sich für einen Beton Skatepark entscheiden, dieser nicht wie eine Brücke behandelt werden soll. Nur weil er aus Beton gebaut ist, heißt das nicht gleichzeitig, daß er Kräfte von 30 Tonnen schweren LKW´s aushalten soll.
Ich erwähne das nur, weil Du auf das Verhältnis zwischen USA und Europa anspielst. Skateboardparkbau aus Beton ist mit Skulpturenbau aus Beton zu vergleichen. Die Betonrampenbauer bauen die größten Skulpturlandschaften der Welt. Es sind keine Brücken nach Schema X.


fs grind in Gila bent Pool, Arizona / pic: Soup

Q:

Wie läuft es bei MINUS so, und seid ihr jetzt eine Skateboardfirma, die auch Pools anbietet ? …und wie lange gibts  euch eigentlich schon?

Matt:
Minus Skateboards wurde 2000 geboren. Das ist eine Skateboard Company. Seit kurzem wird der Stuff über "Die Distribution" aus Düsseldorf vertrieben.
Minus Ramps jedoch hat nicht viel mit Minus Skateboards zu tun. Außer der Name und die Tatsache, daß es mit Skateboarding zu tun hat. Das schon, jedoch sind das zwei verschiedene Firmen. Das eine ist Handel und das andere Bau.
Hinter Minus Ramps verbirgt sich ein Team aus fähigen Handwerkern die dir jede Art von Park bauen können. Egal ob Pool, Bowl, oder Street Bowl Pool combo. Wir designen und führen durch. Unser Team ist teilweise International besetzt, aus Leuten die ihre Arbeit leben und dadurch sorgen, daß der Park zur hoher Fahrqualität abgestimmt ist.


Skatepark in Namur, Belgien in coop with "Brusk Collective"
Q:

Erzähl doch mal was über den Bowl hinter der  Roten Flora in Hamburg…
Wie habt ihr den gebaut und was kostet das Material für so ne Schüssel ?
Da du ja auch Hamburger bist…wolltest du der Stadt schon immer mal "was hinstellen" ?

Matt:
Ehrlich gesagt fühle ich mich gar nicht als Hamburger, in dem Viertel in dem ich wohne wird alles nur noch hipper und hipper, Agenturen und Snops nehmen das Viertel unter Beschlag, es gibt hier kaum Rocker mehr. Alle trinken Milchkaffe und laufen mit aufgesetztem Deo und der neusten Streetwear durch die Gegend. Es ist ekelig. Es wird an der Zeit das Landleben auszuprobieren.
Ich war auch noch nie ein Linker oder Autonomer oder hab mich großartig mit Politik befasst. ACAB ist die Wahrheit. Ich bin Proletarier. Hippie sein ist mir zu langweilig.
Das Projekt hinter der Flora ist ein absolutes Ausnahmeprojekt. Eingeleitet ist dieses jedoch gar nicht von einem Hamburger. Es war George aus Baden-Würtenberg, der irgendwie alle zusammen gebracht hat und auf die Idee kam hinter der Flora eine miniramp zu bauen.
Als die Jungs angefangen haben steckte ich noch im "Mikey Mouse" Pool in Hagen fest…


MikeyMouse Pool in Hagen  Pic: Pierre Jambes


Der Bowl hinter der Roten Flora in Hamburg

Q:

Wie ist das denn so in der Rampen-Bau-Szene, beeft ihr euch alle an, oder läuft das gut im Nebeneinander ?

Matt:
Na in der Rampenbauszene geht es auf jeden Fall nicht um fashion, da sollte man funktionieren können, …ne..mit einigen bin ich persönlich sehr gut befreundet und ob du es glaubst oder nicht wir kooperieren eher mit einander als uns gegenseitig auszustechen, das schätze ich sehr, und ich hoffe ,daß das in Zukunft auch so bleibt. Der Markt in Europa ist noch groß genug, sollen doch sagar die amis noch zwischendurch was bei uns bauen. Egal, Innovativität und Qualität wird sich durchsetzten. Irgendwann entscheidet die Szene welche Company sie für ihren Skatepark haben möchte.
Ich hoffe daß sich dann auch die Städte mit der Materie Skateboarding genug auseinandersetzen werden um zu erkennen wie ein lohnender und fortschrittlicher Park aussehen könnte.
Österreich gibt gerade Vollgas, Sie haben erkannt, daß man Innovatives allein nur mit Ortbeton erschaffen kann. In Wörgel allein haben sie letztes Jahr zwei Parks verwirklicht, die ich in der Zukunft sehr gerne anfahren würde.
In Schweden werden big Budget Parks verwirklicht. Spanien hat seit ehe und je schon immer mit verrückten Formen rumexperimentiert. Angefangen hat allesim Baskenland in Getxo.  Alles was ich in Deutschland bislang erblicke läßt zu wünschen übrig. Die Bürokratie, Angagemont und fehlende, notwendige gute Beratung lassen viele gut budgetierte Projekte sterben.


Michael Knopp checks new crete for a smith grind

Q:

Wenn man sich mal selbst eine Stelle im Dschungel illegal verschönern will, so z.B den einen oder anderen Wallride anbauen oder was Kicker-mässiges, was muss mann beachten und wie baut man mit Beton als Anfänger ? Gib mal nen Tip !

Matt:
Weißt du was? Es geht gar nicht darum, daß irgend etwas perfekt werden sollte. Die Leute brauchen keine Tips wie man und womit man was macht. Die Skater brauchen einfach nur erstmal den Willen was zu starten. Da sollte man Anfangen. Baut euch was immer ihr wollt, solange es kein Standart ist. Wagt eure Träume zu verwirklichen und baut euch was immer ihr wollt. Ob aus Beton oder Holz oder Stein.
Vergesst jegliche Info, probiert es erstmal aus. Es muß gar nicht von der ersten Sekunde an perfekt werden. Jeder lernt aus seinen Fehlern und zwischendurch hat wohl auch noch Spaß an der ganzen Sache.


Matt fs air im WooPool / pic:Soup

Q:

Wie sieht dein Traumpool/Park aus ?

Matt:
Es gibt nicht nur einen Traumpark, diesen kann es nicht geben. Diesen wird es niemals geben. Wenn du diesen finden solltest hast du aufgehört zu träumen. Meine Idee ist so viele verschieden Parks zu bauen wie es nur geht.
Die Betonung liegt auf verschieden sein…sich unterscheiden..keine
Langeweile aufkommen lassen..
Ich finde hier etwas was es bei dem letzen Park noch gar nicht gab und der nächste park hat wieder was neues. Es geht darum, daß sich Parks unglaublich von einander unterscheiden sollten, es darf nicht in Serie gebaut werden, das ist vielleicht für einige große Firmen wirtschaftlich, hat jedoch nichts mit einem guten Skatepark zu tun. Mein perfekter Skatepark ist das Gegenteil von einem Park, den man sich aus dem Katalog aussuchen kann.
Wie ich finde hat Skateboarding mit bereisen von anderen Ländern zu tun, oder wenn man das auf Deutschland beziehen möchte, mit anderen Städte anschauen.
Wenn man dann auf tour ist gibt es doch nichts besseres als sich auf irgend etwas Neues zu freuen, etwas was man vor seiner eigenen Haustür nicht wieder findet. Das ist es doch überhaupt was einen motiviert auf Tour zu fahren.
Das unbekannte , das neue. Vielleicht hast du schon was über die Parks in dem Bundesstaat Oregon in den usa gehört. Dort findest du im Umkreis von 30 Meilen vier verschieden Parks und jedes mal wenn du direkt in einem vorfährst fragt dich eine laute, erstaunte Stimme in deinem Innerem:
"WAS IST DENN DAS HIER SCHON WIEDER, WOW!?!!?"
Und genau das ist dann auch mein Traumpark für den Tag. Es geht um das "WOW".
Es muß da auch keine Fullpipe oder Cradle geben, darum geht es nicht, es geht um Charakter und um etwas Unikates. Teilweise klein aber fein.


Die Crew bei der Arbeit, einen Tag vorm Betonieren der Fläche.

Q:

Ein Bulgare meinte letztens, er fände Skateboardolympia gut, weil in Bulgarien so mehr staatliches Geld in Skateboarding fliessen könnte und die dortige Szene könnte sich besser entwickeln…ohne, dass die grossen Distributions gleich alles an sich reissen… Wie stehst du da zu dem Thema ?

Matt:
Tja dann haben sie ja das gleiche Problem in Bulgarien wie die Szene inDeutschland mit Urban Supplies unter der Leitung von Ludewig und Seewald. Die Typen haben mit DC fett abgesahnt und der Szene bislang nichts erwähnenswertes wieder gegeben. Applaus!!!
…und wegen Olympia:
Ich frage mich wie viel mehr Geld in Skateboarding
denn noch fließen soll? Und wen bringt das denn was? Heißt das denn, daß wenn wir Olympisch sind, das Geld in mehr Parks fließt? Und falls das denn der Fall sein sollte, brauchen wir überhaupt große Olympische Parks?
Brauchen wir Skateboarding noch mehr in der Gesellschaft verankern als es ohnehin schon ist?
Olympia für mich, ist mit einem düsenbetriebenen Board ohne Achsen und Rollen zu vergleichen. Auch wenn es dieses Fieberglasboard mit diesem Antrieb gäbe, würde ich wohl ohne frage zu meiner altbewährter Holzplanke greifen und irgendein coping grinden.

Q:

Letzter harter Slam ?

Matt:
Ich denke das war an meinem Geburtstag, da habe ich zusammen mit Josef 10 von 200 kg Leimbindern per Hand umgesetzt. Die darauf folgenden Wochen dachte ich, ich hätte einen Bandscheibenvorfall. Der Arzt sagte jedoch, "keine Anzeichen"

Q:

Nächstes Video ?

Matt:
Ja ich werde wohl das Wolfsmensch Video rausbringen. Dies ist auch schon länger in der mache. Vielleicht wird das dann was kombiniertes mit minus skateboard und minus ramps werden. Ich muß jedoch Sachen länger reifen lassen. Momentan reift die Footy gezwungener Maßen unter Zeitdruck, wenn man das so sagen kann.

Q:

Dein favorite SkateVideo ? …und hast du ein paar Musiktips ?

Matt:
Ich mag wohl P-Stones Videos denke ich. Das "Dirt Ollie" von Carhartt ist ne gute Doku..ja sonst natürlich das "worth video ever" und "suffercamp". Skateboarding geht gut mit Gitarrensound.

Q:

Bitte gib uns noch nen schlauen Abschlussquote!

Matt:
Heute nicht Morgen.
 
Q:

Schickung !

Matt:
Ja danke du auch !

www.minus-ramps.com



-Nachtschicht: manchmal läßt der Beton einen auch nachts arbeiten


Frankfurt Bright Tradeshow / pic: Minus Ramps
 

 

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